Energydrinks, koffeinhaltige Pulver oder Tabletten erfreuen sich vor allem bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Eine Auswertung von Grazer Kinderkardiologen zeigt jedoch: Hohe Koffeinmengen können Herzrhythmusstörungen auslösen, in einzelnen Fällen mit lebensbedrohlichen Folgen. Betroffene waren nicht nur Jugendliche nach extremen Mengen, sondern teilweise auch empfindliche Personen nach moderatem Konsum.
Koffein gehört weltweit zu den am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanzen. In moderaten Mengen steigert es die Aufmerksamkeit, kann Müdigkeit verringern und die Konzentration verbessern. Besonders Jugendliche greifen jedoch zunehmend zu Energydrinks oder hoch konzentrierten Koffeinprodukten. Dass dies nicht ohne Risiko ist, zeigt eine aktuelle Auswertung der wissenschaftlichen Literatur durch Kinderkardiologen der Medizinischen Universität Graz. Die Forschenden sichteten 110 Fachpublikationen und identifizierten 39 dokumentiere Fälle, in denen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren nach Koffeinkonsum Herzrhythmusstörungen oder Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG) entwickelten.
Mehr als Herzrasen
Die beschriebenen Herzrhythmusstörungen reichen von verschiedenen Formen der Tachykardie, also einem stark beschleunigten Herzschlag bis zu Veränderungen der sogenannten QTc-Zeit. Eine verlängerte QTc-Zeit gilt als Risikofaktor für potenziell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Auch Veränderungen der ST-Strecke wurden dokumentiert, die im EKG typischerweise mit Herzschädigungen in Verbindung gebracht werden. Die Koffeinquellen waren unterschiedlich: Neben Energydrinks spielten auch koffeinhaltige Pulver und Tabletten eine Rolle. Nach Einschätzungen der Forschenden können zudem weitere Inhaltsstoffe solcher Produkte, etwa Taurin, Guarana oder Ginseng, die Auswirkungen zusätzlich beeinflussen.
Hohe Dosen erhöhen das Risiko
Viele Jugendliche haben zunächst nur wenig Kontakt mit Koffein. Werden innerhalb kurzer Zeit große Mengen konsumiert, steigt das Risiko für Herz-Kreislaufkomplikationen deutlich. Verstärkt werden kann dieser Effekt, wenn koffeinhaltige Getränke gemeinsam mit Alkohol konsumiert werden. Unter den ausgewerteten Fällen befand sich auch ein Todesfall: Ein Jugendlicher entwickelte nach dem Konsum mehrerer Energydrinks ein Kammerflimmern, das medizinisch nicht mehr beherrscht werden konnte. Wie häufig solche schweren Komplikationen tatsächlich auftreten, lässt dich auf den bisher veröffentlichten Fallberichten jedoch nicht ableiten.
Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keine Panik auslösen sollen. Für die meisten gesunden Menschen gilt Koffein in moderaten Mengen weiterhin als sicher. Gleichzeitig zeigen die ausgewerteten Fälle, dass Kinder und Jugendliche empfindlicher auf hohe Koffeinmengen reagieren können als Erwachsene. Schwere Ereignisse traten überwiegend nach übermäßigem Konsum auf. Einzelne Herzrhythmusstörungen wurden jedoch auch nach moderaten Mengen beschrieben, insbesondere bei Jugendlichen mit bislang unerkannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer individuellen Veranlagung.
Eltern und Jugendliche sensibilisieren
Nach Ansicht der Grazer Kinderkardiologen brauch es vor allem mehr Bewusstsein für die Risiken hoch dosierter Koffeinprodukte. Besonders Energydrinks sowie Koffeinpulver und -tabletten sollten von Kindern und Jugendlichen nicht unterschätzt werden. Gerade weil Beschwerden wie Herzrasen oder Schwindel zunächst harmlos erscheinen, ist bei anhaltenden Symptomen nach Koffeinkonsum eine rasche medizinische Abklärung sinnvoll.
APA
