Apothekerkammer warnt vor mehr Medikamentenabgaben in Arztpraxen


Redaktion

Die Außenfassade des Apothekerhauses in der Spitalgasse.
Die Apothekerkammer lehnt einen Ausbau ärztlicher Notabgabestellen ab. Sie warnt davor, dass eine stärkere Verlagerung der Medikamentenabgabe in Ordinationen die wirtschaftliche Basis öffentlicher Apotheken schwächen könnte.TARA24

Die Forderung nach mehr ärztlichen Notabgabestellen sorgt erneut für Streit zwischen Ärzte- und Apothekerschaft. Während die Ärztekammer die direkte Medikamentenabgabe in Ordinationen ausbauen will, sieht die Apothekerkammer dadurch die bestehende Arzneimittelversorgung und die wirtschaftliche Basis öffentlicher Apotheken gefährdet.

Die österreichische Apothekerkammer stellt sich gegen einen Ausbau ärztlicher Notabgabestellen. Anlass ist die Forderung der Ärztekammer nach mehr Möglichkeiten, Arzneimittel direkt in Ordinationen abzugeben. Die Ärztekammer argumentiert unter anderem mit kürzeren Wegen für Patientinnen und Patienten und einer besseren Versorgung insbesondere im ländlichen Raum. Auf ihrer Website bezeichnet sie ärztliche Hausapotheken als „One-Stop-Shops“ und setzt sich für ein duales System aus öffentlichen Apotheken und hausapothekenführenden Ordinationen ein.

Apothekerkammer sieht keinen Versorgungsbedarf

Die Apothekerkammer hält dagegen und verweist auf das bestehende Netz von 1.470 öffentlichen Apotheken. Diese würden die Arzneimittelversorgung rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr gewährleisten. „Es braucht daher keine weiteren Notabgabestellen für Arzneimittel in den Arztpraxen, denn es gibt kein Problem mit der Bereitstellung von Medikamenten in den Apotheken“, sagt Raimund Podroschko, erster Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer.

Hinter dem Konflikt steht eine seit längerem erhobene Forderung der Ärzteschaft. Die Ärztekammer tritt für ein freiwilliges Dispensierrecht für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ein. Medikamente sollen damit unmittelbar in der Ordination ausgegeben werden können. Als Argumente nennt die Standesvertretung unter anderen den Wegfall zusätzlicher Wege zur Apotheke und eine bessere Versorgung in Regionen mit schwächerer Infrastruktur. 

Sorge um wirtschaftliche Basis der Apotheke

Die Apothekerkammer sieht den Ausbau aus einem anderen Blickwinkel. Zusätzliche Abgabestellen in Ordinationen würden den öffentlichen Apotheken Umsätze entziehen und könnten damit deren wirtschaftliche Grundlage schwächen. Nach Ansicht der Kammer hängt die flächendeckende Versorgung auch davon ab, dass Apotheken wirtschaftlich stabil betrieben werden können.

850 „dispensing doctors“ in Österreich

Besonders kritisch beurteilt die Standesvertretung eine weitere Verlagerung der Arzneimittelabgabe in Arztpraxen. Nach ihren Angaben gibt es EU-weit rund 1.700 sogenannte „dispensing doctors“, davon allein etwa 850 in Österreich. Gerhard Kobinger, zweiter Vizepräsiden der Apothekerkammer, richtet deutliche Kritik an die ärtzliche Standesvertretung: „Aus gesundheitspolitischer Perspektive ist das Vorgehen der ärztlichen Standesvertretung fahrlässig.“ Von einer zusätzlichen Verlagerung von Arzneimitteln in Ordinationen würden aus seiner Sicht nur einzelne Ärztinnen und Ärzte profitieren.

Warnung vor wirtschaftlichen Folgen

Kobinger sieht die Arzneimittelversorgung weiterhin bei den Apotheken gut aufgehoben: „Apothekerinnen und Apotheker können die Bevölkerung immer mit den benötigten Medikamenten versorgen, sofern diese in Österreich vorhanden sind. Und das soll so bleiben.“

Die Ärztekammer wiederum verbindet den Ausbau ärztlicher Hausapotheken mit der Sicherung der medizinischen Grundversorgung. Erst am 26. August stellte sie eine Studie vor, die unter anderem untersuchen soll, ob Hausapotheken die Besetzung von Kassenstellen erleichtern und Patientinnen und Patienten ihre Medikamente erhalten. Im Kern stehen zwei unterschiedliche Vorstellungen davon gegenüber, wie die wohnortnahe Arzneimittelversorgung künftig organisiert werden soll.

OTS    



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